Du willst eine Website. Also suchst du nach einem Agentur-Vergleich und landest auf Seiten, die dir „Die 10 besten Webdesign-Agenturen” präsentieren. Alle mit fünf Sternen. Keine Preise. Kein Wort darüber, was du für dein Geld tatsächlich bekommst. Der Grund ist simpel: Diese Listen sind bezahlte Platzierungen. Wer oben steht, hat am meisten gezahlt oder zahlt pro Klick.
Also machen wir das hier mal richtig. Hier ist ein Agentur-Vergleich, bei dem niemand eine Provision an dir verdient.
Warum die meisten Vergleichsportale für die Tonne sind
Drei Muster tauchen immer wieder auf, und wenn du die kennst, erkennst du den Rest der Seite in zehn Sekunden:
- Bezahlte Rankings. Die Reihenfolge ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Preisfrage. Oft steht das irgendwo im Kleingedruckten.
- Null Preistransparenz. „Auf Anfrage” heißt meistens: Es gibt keine Liste, weil der Preis davon abhängt, wie viel Budget sie bei dir vermuten.
- Bewertungen ohne Quelle. Sterne, die niemand verifizieren kann, sind Dekoration.
Ein brauchbarer Vergleich vergleicht Anbietertypen, Leistungsumfang, Preismodelle und Vertragsstruktur – nicht Logos.
Die Anbietertypen, die du wirklich findest
Bevor du irgendjemanden anfragst, sortiere dich in eine dieser Kategorien ein. Der Typ bestimmt Preis, Risiko und Ergebnis mehr als alles andere.
- Solo-Freelancer. Eine Person macht Design und Umsetzung. Stundensätze grob 40–90 €, eine einfache Seite oft im niedrigen vierstelligen Bereich. Vorteil: direkter Draht, kein Overhead, schnelle Entscheidungen. Nachteil: Fällt die Person aus, steht dein Projekt still.
- Kleine Boutique (3–10 Leute). Fester Kreis aus Design, Entwicklung und etwas Strategie. Projektpauschalen häufig zwischen 5.000 und 20.000 €. Für die meisten Businesses der beste Kompromiss.
- Mittelgroße Agentur (10–50). Hier kommen Projektmanagement, Reporting, SEO-Abteilung und Abstimmungsrunden dazu. Ab 20.000 € aufwärts. Du bezahlst Struktur – manchmal auch nur die Struktur.
- Große Full-Service-Agentur. Fünfstellig bis sechsstellig pro Projekt plus laufende Betreuung. Sinnvoll bei Shops, Mehrsprachigkeit, Schnittstellen und Compliance-Anforderungen.
- Template-Reseller und White-Label-Buden. Hier wird ein fertiges Theme für 2.000–6.000 € als „individuelles Design” verkauft. Nicht automatisch schlecht, aber du zahlst Agenturpreis für Baukastenarbeit.
Was unter „Leistungen” wirklich verkauft wird
Der Punkt „Leistungen” ist der größte Nebelwerfer im ganzen Angebot. Deshalb hier die Frage, die alles klärt: Welche dieser Punkte stehen konkret im Angebot – und welche nur im Pitch-Deck?
Typischerweise enthalten:
- Konzeption und Seitenstruktur
- UI/UX-Design (meist 1–2 Entwurfsrunden, danach kostet es extra)
- Umsetzung im Frontend
- Einbindung in ein Redaktionssystem
- Basis-Einrichtung für Suchmaschinen und Tracking
- Kurze Einweisung für die Redaktion
Typischerweise NICHT enthalten, aber gern verschwiegen:
- Texte. Die musst du liefern oder teuer dazukaufen.
- Bilder und Lizenzen dafür – rechtlich oft der teuerste Posten, den niemand einplant.
- Laufende Pflege, Updates und Backups.
- Echtes SEO. Ein Meta-Titel ist kein SEO-Konzept.
- Rechtliche Pflichttexte und Datenschutz-Kram.
Und ganz ehrlich: „responsive” ist kein Feature. Das ist seit einem Jahrzehnt Standard. Wenn es im Angebot als Highlight steht, weißt du, wie tief die Latte liegt.
Preise: die Zahlen, die keine Agentur auf die Website schreibt
Es gibt drei Preismodelle, und jedes hat einen eigenen Haken:
- Stundensatz. Günstig wirkt er nur, wenn du den Aufwand nicht kennst. Frag immer nach einer Schätzung der Stunden. Eine Zahl ohne Stundenschätzung ist keine Zahl.
- Projektpauschale. Beste Kontrolle für dich – solange im Vertrag steht, was bei Überschreitung passiert. Sonst zahlst du die Differenz am Ende.
- Wartungsabo. Monatlicher Betrag für Updates, Backups, Kleinigkeiten. Bequem, aber schwer zu kündigen und gern überteuert. Rechne den Jahresbetrag aus und frag, was konkret passiert, wenn nichts passiert.
Was den Preis real nach oben treibt: Mehrsprachigkeit, Shopsysteme, Buchungssysteme, Schnittstellen zu internen Tools, hohe Designansprüche, viele Beteiligte auf deiner Seite. Sprich: alles, was Abstimmung oder Sonderlogik erzeugt.
Die versteckten Kostenposten, auf die du im Vertrag achten solltest:
- Jede Entwurfsrunde über die vereinbarte Anzahl hinaus
- Lizenzgebühren für Schriften, Bilder, Module
- Hosting über die Agentur – häufig mit Marge
- Änderungen nach Abnahme
- „Kleinigkeiten” nach dem Go-live, die dann als neues Projekt abgerechnet werden
Der Ablauf: so läuft es wirklich
- Erstkontakt. Nette Leute, gutes Gefühl. Hier wird schon Budget-Sondierung betrieben.
- Angebot. Meist mit Leistungspositionen, die man interpretieren kann. Genau hier entstehen später die Diskussionen.
- Kickoff. Rollen werden verteilt, Inhalte angefragt – und dann wartet die Agentur auf dich. Verzug deinerseits ist der häufigste Grund für Terminverschiebungen.
- Konzept und Wireframes. Struktur und Seitenlogik, noch ohne Design. Der billigste Moment, um Kurs zu korrigieren.
- Designentwürfe. Ab hier wird Änderung teuer.
- Umsetzung. Läuft im Hintergrund, du siehst wenig. Nachfragen ist erlaubt.
- Testphase. Fehler, Inhalte, Geschwindigkeit. Der Schritt, der bei Zeitdruck am ehesten ausfällt.
- Go-live. Domain, Hosting, Weiterleitungen, Tracking.
- Nachbetreuung. Hier trennt sich, ob du einen Partner oder einen Rechnungssteller hattest.
Der Teil, der nie im Angebot steht: Rechte, Lock-in und Ausstieg
Das ist der Punkt, an dem die meisten Projekte stillschweigend schiefgehen. Nicht technisch – vertraglich.
- Nutzungsrechte ≠ Eigentum. Du bekommst oft nur ein Nutzungsrecht am Ergebnis, nicht den Code oder die Quelldateien. Willst du später wechseln, fängst du bei null an.
- Zugangsdaten auf fremden Namen. Domain, Hosting, Analytics-Accounts – wenn die auf die Agentur laufen, besitzt faktisch sie dein Projekt.
- Eigene Baukästen und Systeme. Manche Anbieter bauen auf einer eigenen Plattform. Klingt praktisch, bedeutet aber: rauskommen ist teuer bis unmöglich.
- Fehlende Exit-Klausel. Ohne Regelung zur Übergabe bei Trennung wird es hässlich.
Merksatz: Wer die Domain kontrolliert, kontrolliert das Projekt. Lass Domain und Hosting immer auf deinen Namen laufen. Immer.
Fragen, die du in jedem Erstgespräch stellen solltest
- Wie viele vergleichbare Projekte habt ihr gemacht – und darf ich mit zwei Referenzkunden sprechen?
- Wer arbeitet konkret an meinem Projekt, und wie viel davon wird ausgelagert?
- Wie viele Entwurfsrunden sind inklusive, und was kostet eine weitere?
- Wie viele Stunden sind eingeplant, und was passiert bei Überschreitung?
- Wem gehören Code, Designs und Zugangsdaten am Ende?
- Was passiert, wenn ich nach einem Jahr kündige oder wechseln will?
- Welche laufenden Kosten entstehen nach dem Launch – auch indirekt?
- Wer schreibt die Texte, wer liefert die Bilder, wer kümmert sich um Rechtliches?
- Wie sieht der Zeitplan aus, wenn ich meine Inhalte pünktlich liefere?
- Was kostet dieses Projekt nicht – also wo sind die Grenzen?
Red Flags, die sofort aussortieren
- Kein Preisrahmen oder keine Stundenschätzung, bevor du dein Budget nennst
- Aussagen wie „das sehen wir dann” bei Fragen zu Rechten oder Ausstieg
- Kein Vertrag oder nur eine kurze Auftragsbestätigung per E-Mail
- Erst nach Anzahlung erfährst du, wer die Arbeit tatsächlich macht
- Niemand fragt nach deinen Zielen, aber alle reden über Farben
Fazit
Der beste Agentur-Vergleich ist kein Ranking, sondern ein Fragenkatalog. Preis, Leistung und Ablauf sind selten das Problem – die Probleme stecken in dem, was nicht aufgeschrieben wurde: Rechte, Zugänge, Änderungsrunden, Exit-Regeln.
Vergleiche nicht, wer die schönste Startseite im Portfolio hat. Vergleiche, wer dir klar sagt, was du bekommst, was es kostet, was nicht enthalten ist und wie du wieder rauskommst. Anbieter, die diese vier Fragen ohne Ausweichen beantworten, sind in jedem Vergleich vorne – auch ohne bezahlten Listenplatz.