Du holst drei Angebote ein. Gleiches Projekt, gleiche Leistung, dreimal “Webseite”. Der eine will 450 Euro, der nächste 3.800, der dritte 14.000. Keiner davon lügt. Und genau das ist das Problem.
Wer zum ersten Mal eine Webseite erstellen lassen will, landet in einem Preisdschungel, in dem niemand dieselbe Sprache spricht. Der eine rechnet in Stunden, der andere in Paketen, der dritte in “Aufwandspauschalen”, die nachträglich gedehnt werden wie ein Gummiband. Am Ende zahlst du nicht für die Webseite, sondern für das Geschäftsmodell dahinter.
Hier ist der ungeschönte Blick darauf, was eine Webseite wirklich kostet, welche Faktoren den Preis hoch- oder runterdrehen und wo du in klassischen Angeboten systematisch abgezockt wirst.
Warum die Preisspanne so absurd ist
Eine Webseite ist kein Produkt, sondern ein Sammelbegriff. Ein Flyer mit Kontaktdaten und ein mehrsprachiger Shop mit Kundenkonto sind technisch zwei völlig verschiedene Welten – aber beide heißen im Angebot “Webseite”. Deshalb sind Preise untereinander fast nie vergleichbar.
Dazu kommt: Es gibt keine Norm. Keine Kammer, keine Preisverordnung, keine einheitliche Leistungsbeschreibung. Jeder Anbieter definiert selbst, was “fertig” bedeutet. Für den einen heißt fertig “online erreichbar”, für den anderen “mit Texten, Bildern, Rechtstexten, Tracking, Schulung und drei Monaten Support”. Rate mal, wer teurer ist.
Die drei Wege und was sie realistisch kosten
1. Baukasten / Selfmade
Du machst es selbst mit einem Baukastensystem. Reine Softwarekosten liegen meist zwischen 0 und etwa 300 Euro pro Jahr, abhängig davon, ob du eine eigene Domain, Shopfunktionen oder Werbefreiheit willst.
Der Haken: Der Preis ist nicht das Geld, sondern deine Zeit. Realistisch verschwinden 20 bis 60 Stunden in Layout, Texten und Feintuning, wenn du es halbwegs ordentlich machen willst. Rechne das mit deinem Stundenlohn gegen, dann relativiert sich “günstig” schnell.
2. Freelancer
Einzeln arbeitende Entwickler und Designer liegen typischerweise zwischen 800 und 6.000 Euro für eine solide Unternehmensseite mit 5 bis 15 Unterseiten. Stundensätze bewegen sich grob zwischen 40 und 100 Euro.
Vorteil: kurze Wege, direkte Kommunikation, oft ehrliche Einschätzungen. Nachteil: Wenn die Person ausfällt, stehst du mit einer halbfertigen Seite da – es sei denn, du hast dir Zugänge, Quellcode und Dokumentation vertraglich gesichert.
3. Agentur
Hier beginnt es meist bei 3.000 Euro und endet offen nach oben. Für Konzernprojekte sind 50.000 bis 250.000 Euro völlig normal. Der Grund ist nicht nur bessere Qualität, sondern Struktur: Projektleitung, Konzeption, Design, Entwicklung, Redaktion, QA, Übergabe. Jede dieser Rollen kostet Geld und jede Rolle hat Overhead.
Die Faktoren, die den Preis wirklich treiben
Wenn du wissen willst, warum dein Angebot so hoch ist, zerlege es in diese Punkte. Hier steckt das Geld:
- Anzahl der Seiten und Templates: 8 Seiten mit 3 Layout-Vorlagen sind billiger als 40 Seiten mit 15.
- Design: Ein gekauftes Theme anpassen kostet einen Bruchteil eines komplett individuellen Designs.
- Funktionen: Kontaktformular ist trivial. Login-Bereich, Buchungssystem, Schnittstellen zu Warenwirtschaft oder CRM sind eigene Projekte im Projekt.
- Shop: Jede Zahlungsart, jede Versandlogik, jede Steuerregel bedeutet zusätzlichen Code und zusätzliche Tests.
- Content: Texte, Bilder, Videos. Wenn du nichts lieferst, liefert der Anbieter – und berechnet dafür. Texte können problemlos 20 bis 40 Prozent des Gesamtbudgets fressen.
- Mehrsprachigkeit: Jede weitere Sprache ist faktisch eine zweite Webseite in derselben Hülle.
- Barrierefreiheit: Sauber umgesetzt kostet das spürbar extra, spart aber später Ärger und in manchen Fällen rechtliche Probleme.
- Migration: Bestehende Inhalte umziehen, Weiterleitungen bauen, Rankings retten. Wird gern vergessen und dann teuer nachgereicht.
- Deadline: “Schnell” ist ein Luxusprodukt. Priorisierte Lieferung hat fast immer einen Aufschlag.
Die versteckten Kosten, die im Angebot fehlen
Der eigentliche Preisschock kommt nach der Übergabe. Diese Posten stehen selten im Erstangebot, tauchen aber in fast jeder Rechnung auf:
- Hosting: 5 bis 500 Euro pro Monat, je nach Traffic und Technik.
- Domain und E-Mail: meistens Kleinvieh, aber es läuft eben dauerhaft.
- Lizenzen: Premium-Themes, Plugins oder Module verlangen oft jährliche Gebühren.
- Wartung und Updates: Wer nicht selbst Hand anlegt, zahlt monatlich. 30 bis 300 Euro sind üblich.
- Änderungen: Jede Kleinigkeit nach Abnahme wird nach Stunden abgerechnet. Ein Texttausch ist billig, ein neues Layout nicht.
- Vertragsbindung: Manche Anbieter bauen auf Systemen, die du ohne sie kaum selbst pflegen kannst. Das ist kein Zufall, sondern eine Kundenbindungsstrategie.
- Rechtliches: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Einwilligung, Auftragsverarbeitungsverträge. Kostet entweder Zeit oder einen Anwalt.
Wie Anbieter kalkulieren (und warum du das wissen solltest)
Fast jede Kalkulation basiert auf Stundensatz mal geschätzter Aufwand plus Risikopuffer. Der Puffer ist der interessante Teil: Er deckt nicht nur Fehler ab, sondern auch den Aufwand, den du als Kunde verursachst – viele Korrekturrunden, unklare Wünsche, späte Entscheidungen.
Deshalb sind Angebote mit Festpreis nicht automatisch fair, sondern nur anders gerechnet. Der Puffer ist eingebaut, du siehst ihn nur nicht. Umgekehrt gilt: Je klarer du deine Anforderungen formulierst, desto kleiner fällt der Puffer aus. Das ist der einzige Hebel, den du wirklich in der Hand hast.
Ein weiterer Klassiker: Der Aufwand wird über das Projekt als Kurve verteilt. Am Anfang und Ende ist er hoch, dazwischen flach. Wer mittendrin Änderungen einbaut, zahlt oft mehr als am Rand – einfach, weil dann mehrere Arbeitsschritte doppelt laufen.
So drückst du die Kosten, ohne Billigschrott zu bekommen
- Schreib deine Inhalte selbst. Kein einzelner Posten spart so viel Geld.
- Starte kleiner. Version 1 mit dem Nötigsten, Version 2 nach echten Nutzerdaten. Das schlägt jede “wir bauen alles gleich richtig”-Rechnung.
- Bestehendes Design anpassen statt neu erfinden. Der Unterschied im Preis ist oft Faktor fünf.
- Frag nach Stundensatz, geschätztem Aufwand und Puffer. Wer das nicht offenlegt, will nicht, dass du vergleichst.
- Sichere dir Zugänge, Code und Dokumentation. Vertraglich, nicht per Handschlag. Anbieterwechsel ist nur so billig wie der Ausstieg.
- Lass Funktionen weg, die zwei Klicks kosten sollen. Automatisierung ohne Volumen kostet dauerhaft mehr, als sie einbringt.
Red Flags, bei denen du besser gehst
Wenn der Anbieter nicht sagen kann, worauf du nach dem Projekt Zugriff hast, wenn es keine schriftliche Leistungsabgrenzung gibt, wenn “unbegrenzte Änderungen” versprochen werden (irgendwer zahlt sie, und zwar du) oder wenn die Seite nur auf einer Plattform läuft, die du selbst nicht bedienen darfst – dann ist der Preis nicht das Problem, sondern das Modell.
Ebenfalls ein Warnsignal: Angebote ohne Hinweis auf laufende Kosten. Wer dir eine Summe nennt und schweigt, was danach monatlich anfällt, hat nicht vergessen zu rechnen. Er hat nur entschieden, dir die zweite Hälfte der Rechnung später zu zeigen.
Fazit
“Webseite erstellen lassen” kostet in der Realität alles zwischen ein paar Hundert und mehreren Zehntausend Euro. Der Preisunterschied liegt fast nie in der Technik selbst, sondern in Umfang, Eigenleistung und darin, wie ehrlich über Folgekosten gesprochen wird.
Die unbequeme Wahrheit: Ein großer Teil der Kosten ist nicht Entwicklung, sondern Übersetzung. Übersetzung von unklaren Wünschen in konkrete Arbeit, plus der Puffer für alles, was schiefgeht. Wer vorher weiß, welche Schrauben den Preis drehen, kriegt fürs gleiche Geld deutlich mehr Webseite – und zahlt später nicht für Entscheidungen, die er nie bewusst getroffen hat.